Verlust der Erinnerung bedeutet nicht Verlust erlebter Emotionen
Emotionen, die mit bestimmten Situationen verbunden sind, bleiben erhalten, auch wenn sich die Betroffenen nicht mehr an die eigentliche Ursache dieser Gefühle erinnern können. Zum Beispiel wurden von den US-amerikanischen Studienteilnehmern, die von Gedächtnisverlust betroffen waren, die Inhalte von Filmen, die sie sich kurz zuvor angeschaut hatten, vergessen. Die entsprechenden Gefühle, die sie beim Zuschauen empfunden hatten, spürten sie jedoch auch noch lange nach Ende des Films.
Bisher wurde allgemein angenommen, dass man unangenehme Gefühle vergessen lassen könnte, indem man auch die damit verbundene Ursache vergessen ließ. Neuere Untersuchungen widersprechen jedoch dieser Annahme.
Für die Praxis bedeutet dieses Studienergebnis, dass beispielsweise Alzheimer Patienten ausreichend Liebe und Respekt erfahren sollten, auch wenn sie das Erlebnis selbst vielleicht vergessen. Denn die damit verknüpften Gefühle bleiben erhalten und existieren in den Köpfen der Betroffenen weiter. Mit zahlreichen Besuchen und Anrufen bei Alzheimer-Patienten vergeuden Freunde und Angehörige demnach keinesfalls ihre Zeit, sondern tun den Patienten dauerhaft etwas Gutes, auch wenn diese das Ereignis an sich kurze Zeit später wieder vergessen haben könnten. Die Freude über den Besuch bleibt länger erhalten und gerät nicht so schnell in Vergessenheit.
